Eine zusammenfassende Darstellung gibt es nicht, Herbert Liebing - damaliger Direktor der Holstenschule - hat jedoch zur 100 Jahrfeier des Gymnasiums einiges Wissenswertes (Herbert Liebing “1871 - 1971 Holstenschule Neumünster“, Karl Wachholtz Verlag Neumünster 1971) festgehalten.

Zur Geschichte des Vereins der Ehemaligen:

Zur Geschichte des Vereins der Ehemaligen:


(Seite 22 f) „Im darauf folgenden Jahr, 1907, setzte der Ausbau der Realschule zur Oberrealschule ein, deren Primaner, 13 an der zahl, 1910 ins Abitur gingen, von denen 12 die Prüfung bestanden; daraufhin wurde auch die Oberrealschule als vollgültige Anstalt anerkannt.
Die Abiturienten des ersten und zweiten Jahrgangs gingen auf Anregung des Oberlehrers Schnoor  daran, einen Verein zu gründen. Am Sonnabend, dem 31.08.1907 versammelten sich 10 ehemalige Abiturienten  im Ratskeller, um den Gedanken des Zusammenschlusses aller ehemaligen Abiturienten in die Tat umzusetzen. Eine Kommission arbeitet die Satzungen aus, und so erfolgte am 5. Oktober 1907 die Gründung der „Vereinigung ehemaliger Abiturienten des Gymnasiums zu Neumünster“ im Restaurant Schüssel (Ecke Kuhberg/Kieler Straße). Die Gründer waren die Abiturienten von Ostern 1906: Bracker, Christiansen, Holdmann, Hölck, Rieper, Runge, van der Smissen, Wendl; von Herbst 1906: Hoeppe, Kähler; von Ostern 1907: Bartram, Bleßmann, Hinst, Hoffmann, Reichert, Reyer, Schmidt.1910 wurde der verein auch auf die Abiturienten der Oberrealschule ausgedehnt.
Das Motiv zur Vereinsgründung war nicht die Anhänglichkeit zur Schule als Institution, sondern der Wille, die Verbindung zu den ehemaligen Schulkameraden, mit denen man sich viele Jahre das gleiche Schicksal geteilt hatte, zu erhalten. Die Stellung des Vereins gegenüber den Lehrern war anfangs recht schwierig; „eine stark revolutionäre Tendenz“ herrschte vor, sich völlig von den ehemaligen Lehrern zu isolieren, bis man schon recht bald in ein freundliches Verhältnis zu ihnen trat. Viele Lehrer wurden Ehrenmitglieder des Vereins, so Dr. Prien, Dr. Schnoor und Dr. Kirmis.“

(S.36 f) „Im Jahre 1919 erstand wieder, wie im Kreidestollen bei Reims beschlossen, der Abiturientenverein. Auf der ersten Nachkriegsveranstaltung am 26. April, zu der zwar nur 25 Mitglieder erschienen, wurden Christiansen zum Ersten Vorsitzenden, v. Ahlften zum Schriftführer gewählt. An der Fünfzigjahrfeier der Schule 1921 nahmen schon 500 Ehemalige teil.
(danach Stiftung Ehrentafel).

S. 43 Mitte:
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Mit der im Aufbau befindlichen deutschen Schule in Tingleff wurde 1925 ein Patenschaftsverhältnis begründet; viele Bücher, Karten und physikalische Geräte nahmen von Neumünster aus den Weg nach Norden, außerdem stellte man der Schule jährlich 200 Mark und Anteile aus den Konzertüberschüssen zur Verfügung.
Hart traf alle Menschen und Institutionen die Inflation 1923. Als segensreich erwies es sich, daß Dr. Heine 1912 eine Hilfsbücherei eingerichtet hatte, deren Bestand bis 1921 auf 750 Bände angewachsen war. Trotzdem reichte die Hilfs­bücherei nicht aus, weil zu viele Eltern in dieser Zeit keine Bücher kaufen konnten. Ein Hilferuf, der daraufhin von der Schule an die bessergestellten Eltern erging, hatte einen so durchschlagenden Erfolg, daß man den meisten Schülern helfen konnte.
So traurig ernst der Hintergrund auch sein mag, so liest man doch ein wenig amüsiert den Bericht des Kassenwarts des Abiturientenvereins, Piepgras, vom 6. Oktober 1923:

Einnahmen:                                                   127 445 000 Mark
Ausgaben:                                                       13 979 143 Mark
                                                                      113 465 857 Mark

Am 14. Dezember 1923 läßt er sich das Guthaben auf dem Postscheckkonto über 756 750 Mark auszahlen. Er erhielt eine Banknote über eine Million Mark, brauchte aber darauf nichts zurückzugeben. Am 6. September 1924 hatte Piepgras wieder 204 RM in der Kasse - jetzt aber Goldmark, wie er erleichtert feststellte. Der Verein machte in dieser schweren Zeit große Anstrengungen, um der Not zu steuern. Zum Beispiel studierten seine Mitglieder das Schauspiel „Alt-Heidelberg" von Meyer-Förster ein und führten es in Neumünster und Rends­burg auf. Der Überschuß von l 250 000 Mark
wurde gestiftet, um die Notlage der Rentner und der Schule zu lindern.


(S. 44, vorher Oberrealschule Englisch und Französisch, Gymnasium Latein ab Sexta und Griechisch als 2. Fremdsprache):
Diese schwierige Umgestaltung der Organisationsform war Schmitts vor­letztes Werk; sein letztes zukunftweisendes vollbrachte er am Abend des 20. April 1925, dem Tag seines 25jährigen Amtsjubiläums. Nach einem feierlichen Akt in der Aula, bei dem Oberbürgermeister Schmidt im Namen der Stadt, Oberstudienrat Rudolphi für das Kollegium die Leistungen des Jubiliars ge­würdigt hatten, versammelte sich der Abiturientenverein im Bahnhofshotel zu einem Festkommers. Schmitts Dankesansprache klang in dem Wunsch aus, den Abiturientenverein zu einem Verein aller ehemaligen Schüler erweitert zu sehen und so eine einheitliche, große Schulgemeinde ins Leben zu rufen.
Diese Anregung wurde noch an demselben Abend in die Tat umgesetzt, indem einige Ehemalige die Gründung des Vereins beschlossen. Die Grün­dungsversammlung fand am 20. Juni 1925 im Bahnhofshotel in Anwesenheit von hundert Ehemaligen statt. Erster Vorsitzender wurde Wilhelm Meßtorff, erster Schriftführer Wilhelm Bartram und Kassierer Karl Barlach. Der Ab­iturientenverein ging nicht in dem Verein der Ehemaligen auf, sondern trat ihm nur für eine jährliche Beitragspauschale von 50 RM bei. Es bedurfte acht Jahre langer Verhandlungen, bis sich beide Vereine zu einem einzigen zu­sammenschlössen.
Der Abiturienten verein entfaltete damals eine rege Geselligkeit: An jedem zweiten Sonnabend kam man in Soomanns Hotel zusammen; glanzvoll war ein Kostümfest im Januar 1925, an dem zum letztenmal Prof. Schnoor teil­nahm. Wichtig war eine Satzungsänderung vom Herbst 1925, nach der der Zweck des Vereins sich nicht mehr auf die Pflege der Geselligkeit beschränkte, sondern auf die wirtschaftliche Unterstützung von Schülern und Ehemaligen erweitert wurde.
1926 legte der langjährige Vorsitzende von Ahlften wegen Arbeitsüberlastung den Vorsitz nieder. Ich übernahm Karl Niemax

(S. 60 ) Der Abiturientenverein und der Verein der Ehemaligen bestanden in dieser Zeit zwar nebeneinander, jedoch war Stadtrat a.D. Wilhelm Bartram, der Vor­sitzende des V.d.E., unermüdlich tätig, um die Verschmelzung beider Vereine zu erreichen. Schritt für Schritt mußten die Widerstände vor allem auf Seiten des Abiturientenvereins überwunden werden, der noch am 8. Oktober 1932 sein 25. Stiftungsfest feierte. Am 22. Oktober sollte der Vorstand des V.d.E. neu gewählt werden. Bartram verzichtete selbstlos auf den Vorsitz und setzte durch, daß statt dessen Karl Niemax, der Vorsitzende des Abiturientenvereins, auch zum Vorsitzenden des V.d.E. gewählt wurde, er selbst begnügte sich mit dem Amt des stellvertretenden Vorsitzenden. Kassierer blieb Hermann Gottschalck, Schriftführer Willy Bohne.
Am 11. November 1933 gaben dann endlich beide Vereine auf einem Kon­vent ihre Zustimmung zur Verschmelzung; der neue Gesamtverein erhielt den Namen „Verein alter Holstenschüler“.
Seit 1930 tagten die Ehemaligen regelmäßig bei Knickrehm, jener alten gemütlichen Gaststätte am Kuhberg bei der Schwalebrücke, die seit Jahr­zehnten mit den Holstenschülern verbunden war wie das Tivoli oder das Bahnhofshotel. Die Bomben des zweiten Weltkrieges haben sie alle drei ver­nichtet. Als Hein Knickrehm 1933 starb, erhielt er einen Nachruf in der Schulzeitung.
In die Schule wirkten die Ehemaligen hinein, indem sie in jedem Jahr zahl­reich zum Tag der Holstenschüler erschienen und aus diesem Anlaß regelmäßig
an tüchtige Schüler Buchpreise verliehen. Die Namen der so Ausgezeichneten veröffentlichte die Schulzeitung in einer „Ehrentafel“.
Lange rang der Verein um die Vergabe eines Stipendiums an einen ehe­maligen Holstenschüler, aber sooft auch dieser Plan erörtert wurde, scheiterte seine Durchführung an der unzureichenden Kassenlage. Erst bei der Sechzig­jahrfeier im Januar 1931 konnte zum erstenmal, und von da an jährlich wieder, eine Ausbildungsbeihilfe von 300 RM im Jahr ausgesetzt werden.

(S. 88) Schneller ging es mit der Neugründung des Vereins alter Holstenschüler:
Im Herbst 1948 geplant, wurde sie am 21. Mai 1949 unter Piepgras´Leitung in Harms` Gasthof vollzogen, so daß am 7. Januar 1950 zum erstenmal der Verein am „Tag der Holstenschüler" wieder an die Öffentlichkeit treten konnte. Nach alter Sitte wurden Schüler für gute Leistungen mit Buchprämien belohnt.


(S.119) Inzwischen hatte eine Kommission des Kollegiums einen Vertrag zwischen Schulleitung und Redaktion ausgearbeitet, der diese lediglich verpflichtete, bei kritischen Artikeln den angegriffenen Personen die Gelegenheit zu geben, in demselben Heft eine Gegendarstellung zu veröffentlichen, im übrigen sollten die Herausgeber freie Hand haben. Trotzdem war die Schulzeitung nicht zu retten. Es fand sich niemand mehr bereit, die arbeitsreiche und undankbare Aufgabe eines Chefredakteurs zu übernehmen. Mit der Nr. 108 hatte die vierzigjährige Geschichte der Schulzeitung ihr Ende gefunden.
Die Parallelzeitung des Vereins alter Holstenschüler erlitt dasselbe Schicksal. Die fortwährend steigenden Druckkosten zwangen Neve, das Blatt nur noch zweimal und schließlich, auch durch sein Alter bedingt, nur noch einmal im Jahr herauszugeben. Am 10. Januar 1968 wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt, mußte aber die Redaktion seiner Zeitung aufgeben. Der neue Vorsitzende des Vereins, Dr. Rocke, beschloß, künftig die Schulzeitung finan­ziell mitzutragen und sie den Ehemaligen als Nachrichtenblatt zuzusenden. Als dann auch diese ihr Erscheinen einstellte, erhielt der Vorstand die Verbindung mit den Ehemaligen durch ein eigenes Mitteilungsblatt jeweils zum Jahresende aufrecht.
Am 11. Dezember 1968 starb Hein Neve und wurde in Schleswig beigesetzt. Dr. Suhren, der langjährige Vorsitzende des Vereins alter Holstenschüler, wurde Ehrenvorsitzender.

Vorsitzende des Vereins alter Holstenschüler Abiturientenverein     

1907 Holdmann

1919 Christiansen

1924 Wilhelm v. Ahlften

1926 Karl Niemax

Verein der Ehemaligen
1925 Wilhelm Meßtorff
1926 Wilhelm Bartram

 
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